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Stadtgeschichte

Hornbach, kleine Stadt mit großer Tradition
von Klaus Schwarz
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Die Anfänge
 

Pirminius und sein Kloster
Über den Abt und Klosterbischof Pirminius selbst und seine irdische Herkunft wissen wir nur wenig. Außer seiner letzten Gründung in Hornbach war er auch für die Klostergründung von Mittelzell auf der Insel Reichenau im Bodensee und das Kloster Murbach im Elsass verantwortlich. In Hornbach, seiner letzten Wirkungsstätte, verstarb er am 3. November 753 und wurde wunschgemäß auch dort beigesetzt.

Schon bald nach seinem Tod wurde er als Heiliger verehrt, so dass Hornbach zum Ziel für viele Wallfahrer wurde und die ursprünglich kleine Anlage nach und nach immer wieder erweitert werden musste. Im Endausbau entstand für das damals reichste und bedeutendste Kloster innerhalb der Bistumsgrenzen von Metz, Speyer, Trier und Straßburg eine riesige dreischiffige Pfeilerbasilika mit einer Gesamtlänge von nahezu 72 Metern, deren fünf Türme schon von weither zu sehen waren.

Die zahlreichen Besitzungen in der näheren und weiteren Umgebung machten eine Stiftsgründung erforderlich, die um das Jahr 1000 nachzuweisen ist. Das Patronat der Stiftskirche erhielt der Märtyrerpapst Fabianus (+ 250 in Rom), dessen Reliquien bereits 865 in Hornbach bezeugt sind. Die dem Stift angehörenden Kanoniker betreuten als „ambulante Priester“ die unmittelbar klosterabhängigen Gemeinden. Weiter entfernte Besitzungen, sie waren in fünf Diözesen verteilt, wurden durch Tochterklöster (Wörschweiler) oder Prioratsgründungen (Böckweiler) verwaltet.

Bibliothek und Skriptorium
Die Bedeutung des Klosters lässt sich auch daran nachweisen, dass es nicht nur eine sehr umfangreiche Bibliothek besaß, sondern auch ein leistungsfähiges Skriptorium, aus dem neben der Vita des Heiligen Pirminius mit dem Hornbacher Sakramentar und seinen einmaligen Widmungsbildern ein ganz besonders wertvolles Kunstwerk mittelalterlicher Buchkunst hervorging. Die Verleihung des Münzrechtes durch Heinrich V. an die Klosteräbte ist ein weiterer Beleg für die Sonderstellung des Königsklosters und seiner Privilegien.



Wechselnde Besitzverhältnisse
Das ursprünglich zum Bistum Metz gehörende Kloster war nach 300 Jahren durch eine Schenkung Heinrich IV. in den Besitz der Bischöfe von Speyer gelangt, die nach erheblichen Streitigkeiten mit den Grafen von Zweibrücken im 13. und 14. Jahrhundert den Kurfürsten von der Pfalz um Vermittlung und Schlichtung anriefen und so direkten Einfluss aufgaben.

Von den Saliern wurden ursprünglich die Grafen von Saarbrücken mit den Vogteirechten für das Pirminiusland ausgestattet. Aus deren Burgbesatzung am Übergang von Schwarzbach und Hornbach zum Schutz der wichtigen Salzstraße von Lothringen zum Rhein hatte sich aber eine eigenständige Grafenlinie entwickelt. Als Grafen von Zweibrücken erlangten sie schließlich die Vogteirechte über die ganze Region und setzten auch in Hornbach die Vögte ein (Steißerhof). Unter dem Grafen Walram von Zweibrücken erlangten die Siedlungen Hornbach und Zweibrücken 1352 gleichzeitig die Stadtrechte, durch Kaiser Karl IV. nach Hagenauer Recht verliehen. Die Stadtmauer, eine der Voraussetzungen für dieses Prvileg, existierte in Hornbach nachweislich aber bereits seit 1237.

Reformation und Säkularisierung
Die Umsetzung der Reformation in seinem Herzogtum veranlasste Herzog Wolfgang zu Umbaumaßnahmen und zur Umnutzung der Klosteranlage.

Mit der Gründung einer Internatsschule, von der Schulform zwischen Gymnasium und Hochschule stehend, wurden die Voraussetzungen geschaffen, um die herzogliche Beamtenschaft und die Geistlichen für die neue Lehre ausbilden zu können. Von 1559 bis 1631 nutzte diese Schule die Hornbacher Klosterräumlichkeiten für ihre Zwecke. In dieser Tradition sah sich das humanistische Herzog-WoIfgang-Gymnasium, das bis 1988 als eigenständige Nachfolgeschule bestand. Die Stiftskirche St. Fabian wurde zur Wohnung für den Rektor dieser Schule umgebaut und diente danach als Pfarrhaus, bzw. als Wohnhaus für den Verwalter der Klosterbesitzungen, den so genannten Wiesenmeier.



Hieronymus Bock
Einer der letzten Kanoniker war Hieronymus Bock, als „Arzt der Seele und des Körpers“ bezeichnet, der mit seinem „Kreutterbuch“ zum Ahnherren der Botaniker und Apotheker wurde. Er wirkte als herzoglicher Leibarzt, Botaniker, Apotheker, Lateinlehrer und dann bis zu seinem Tod als Pfarrer für die neue Lehre in Hornbach, wo er in der Stiftskirche St. Fabian seine letzte Ruhe fand.

Reliquien-Diebstahl und Kriegswirren
In dieser Zeit des Besitzwechsels erfolgte auch der Diebstahl der Pirminius-Reliquien. Unter Mithilfe des Abtes Anton von Salm und der Mitwisserschaft des Bischofs von Speyer, brachten Vater und Sohn Helfenstein den Sarg über das Elsass und Speyer in ihre Heimat nach Innsbruck, wo sie die Reliquien dem dortigen Jesuitenkloster anvertrauten. Deshalb steht die Gedächtniskapelle über einer leeren Grabkammer, und der Silbersarg des Klostergründers in der Jesuitenkirche in Innsbruck.

In der nun folgenden Zeit des 30-jährigen Krieges, der Kriege unter der Herrschaft Ludwig XIV., der Auseinandersetzungen im Anschluss an die Französische Revolution, hatten Stadt und Kloster und die ganze Region schwer zu leiden und starke Verluste zu beklagen. Raub, Brände und Abriss ließen die ehemaligen Klosterbauten mehr und mehr verschwinden, zumal sich ihre Nutzung wegen Einsturzgefahr von selbst verbot.

Die Kirchenlandschaft
Die ehemalige Markthalle wurde zur Bürgerkirche und zunächst von den Reformierten, später als Simultankirche von den Reformierten und den Katholiken genutzt, bis sie von 1786 bis 1931 zur katholischen Pfarrkirche wurde und erst seit 1948 der Stadt als Rathaus dient. Die katholische Pfarrkirche St. Pirmin ist ein Neubau und wurde 1931 geweiht. Teile des ehemaligen Mittelschiffes der Basilika hatten der neuen Lehre zur Kirche gedient, waren aber schließlich so baufällig geworden, dass man sich zu einem Neubau entschloss. Mit dem Baumaterial dieser Reste, auf den Fundamenten des Mittelschiffes, wurde das nördliche Seitenschiff überbaut und es entstand von 1784 bis 1786 die neue Protestantische Klosterkirche.

Das Kloster heute
In den vorderen Teil des Mittelschiffes integrierte man einen Schulhausbau, heute Teil des Hotels, das bei einer erneuten Umnutzung der Klosteranlage errichtet wurde, um noch bestehende Bausubstanz zu retten und zu erhalten.

Mehr zur Geschichte in der Broschüre „Hornbach – eine Führung durch die reiche Geschichte von Stadt und Kloster“ von Klaus Schwarz.